Stimmen aus der Pflege: Das Projekt stellt sich vor
Shownotes
Wie kann digitale Technik in der ambulanten Pflege unterstützen? Welche Vorteile bringen digitale Systeme? Und wie lassen sie sich sinnvoll nutzen?
In der ersten Folge der vierteiligen Podcastreihe „AIDA – Stimmen aus der Pflege“ zeigen wir, worum es im Forschungsprojekt geht. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie digitale Technik Pflegeprozesse unterstützen kann – immer mit Blick auf die Akteure der Pflege: Pflegekräfte, pflegebedürftige Menschen und die Pflegeorganisation.
Mit den wissenschaftlichen Mitarbeitenden des Projekts Svenja Schäfer und Manuel Schlifski.
Mehr Informationen zum Forschungsprojekt unter: https://www.evh-bochum.de/projekt-aida.html
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00:00:00: Svenja Schäfer: Willkommen zu unserer ersten Folge des Podcasts AIDA Stimmen aus der Pflege. Heute soll es darum gehen, was AIDA eigentlich ist und warum wir jetzt dafür einen Podcast brauchen. Zuerst einmal sollten wir natürlich klären, wer sind denn hier die Stimmen aus dem Hintergrund? Und dafür würde ich einmal dich, Manuel Schlifski, bitten, dich vorzustellen.
00:00:20: Manuel Schlifski: Ja, herzlichen Dank. Und ich bin, wie Sie gerade gehört haben, auch mit dabei bei diesem Podcast-Projekt. Ich bin Manuel, Manuel Schlifski, bin wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt, bin seit 2021, also fast Beginn des Projektes AIDA, mit am Start. Und meine Hauptaufgaben liegen vor allem darin, das ganze Projekt wissenschaftlich zu begleiten, also Interviews zu führen, in den Austausch zu gehen mit den Projektakteuren. Nebenbei arbeite ich auch noch an einer eigenen Arbeit, die auch das Projekt begleitet. Und das ist so ziemlich das, was meine Person in diesem Projekt ausmacht. Aber, wie Sie gerade gehört haben, bin ich nicht die einzige Person, die das Projekt begleitet. Die Stimme, die Sie am Anfang gehört haben, soll natürlich auch die Gelegenheit bekommen, sich vorzustellen. Das ist nämlich Svenja Schäfer. Magst du kurz erklären, wer du bist und was du machst?
00:01:14: Svenja Schäfer: Gerne. Wie Sie gerade schon gehört haben, mein Name ist Svenja Schäfer. Ich bin mittlerweile auch wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt AIDA. Ich bin allerdings schon als studentische Hilfskraft während meines Studiums der Pflegewissenschaft an der Evangelischen Hochschule Bochum in 2023 dazugestoßen. Das heißt, ich habe auch ein gutes Stück des Projekts mit begleitet, habe dann nach meinem Abschluss des Bachelors dann die Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt bekommen und darf jetzt das Projekt nochmal in seinen letzten Zügen begleiten. Was vielleicht auch nochmal wichtig ist für Sie zu wissen, ich bin nicht nur wissenschaftliche Mitarbeiterin, die Pflegewissenschaft studiert hat. Ich bin auch Pflegekraft, habe lange Jahre auf einer Intensivstation gearbeitet und kann daher hier auch von meiner Fachexpertise profitieren. Um Sie aber natürlich jetzt auch mitzunehmen und zu klären, was ist jetzt AIDA und warum ist dieser Podcast überhaupt wichtig, würde ich einmal das Wort an Manuel zurückgeben und Ihnen erklären lassen, was AIDA eigentlich ist.
00:02:24: Manuel Schlifski: Ja, was ich häufig gefragt wurde, ob es denn bei uns um Kreuzfahrten geht bei AIDA. Das ist nicht der Fall. AIDA ist ein Akronym und steht für Akteurszentrierte Integration digitaler Assistenzsysteme. Die Akteure bei uns im Projekt sind die Akteure in der ambulanten Pflege, sprich Pflegekräfte, Pflegebedürftige und die Pflegeorganisation, die diesen ganzen Pflegeprozess umrahmt. Und die digitalen Assistenzsysteme sind vor allem sensorgestützte digitale Technik, die in den Haushalten von pflegebedürftigen älteren Menschen verbaut sind. Und am Ende letztlich die Pflege dabei unterstützen sollen, die Pflegesituation beziehungsweise den Alltag der betreuten Person besser einschätzen zu können. Wir haben Sensortechnik, die sich beispielsweise anschaut, was für Aktivitäten es im Haushalt gibt. Die Nutzung von Geräten, die Bewegung im eigenen Haushalt, aber auch in der Lage ist, Gesundheitsdaten abzubilden. Am Anfang des Projektes hatten wir zum Beispiel Blutdruckmessgeräte mit dabei. Wir haben mittlerweile aber zum Beispiel auch intelligente Wagen mit dabei, die es einfach ermöglichen, im Laufe der Zeit sich anzuschauen, wie sich gewisse Dinge verändern. Wie zum Beispiel das Gewicht oder die Bewegung im Haushalt, das Essverhalten, vielleicht auch Auf- und Zumachen von Wohnungstüren und so weiter und so weiter. Und unsere Hoffnung ist einfach, dass auf Grundlage dieser Daten die Pflege letztlich besser einschätzen kann, wie sie mit gewissen Situationen umgehen muss und auf dieser Grundlage auch Entscheidungen treffen kann, wie es vielleicht bei der einen oder anderen Person dann auch weitergeht. Was dabei natürlich jetzt aber wichtig ist, ist zu klären, warum wir das eigentlich machen. Das ist natürlich jetzt alles schön und gut, sich anzuhören, dass wir digitale Technik in der Pflege benutzen. Warum ist das aber relevant? Und diese Frage würde ich gerne weitergeben an Svenja und nicht selbst beantworten, weil Sie ja gerade selbst auch schon gehört haben, dass sie Pflegekraft ist und deswegen vielleicht gar nicht so schlecht einschätzen kann, warum es in der Pflege gewisse Handlungsbedarfe gibt und warum vielleicht digitale Technik auch interessant sein kann. Magst du kurz erklären, warum aus deiner Sicht das Projekt AIDA relevant und interessant ist?
00:04:43: Svenja Schäfer: Gerne. Wie Sie gerade schon gehört haben, ich komme von einer Intensivstation, das ist natürlich was ganz anderes, als Menschen zu Hause zu begleiten, aber auch da hatte ich schon viel Kontakt mit digitalen Systemen, die Werte von Patienten aufnehmen, wodurch man dann sehr viel analysieren kann, was auch auf die ambulante Pflege zutreffen kann und was da auch sehr hilfreich ist. Und da würde ich Sie jetzt einmal mitnehmen und Ihnen versuchen zu verbildlichen, warum das Projekt auch in der ambulanten Pflege ein wichtiges Thema ist, gerade jetzt zu dieser Zeit. Wie der eine oder andere von Ihnen vielleicht schon festgestellt hat, die Bevölkerung in Deutschland ist mittlerweile eine sehr alte Bevölkerung. Wir haben immer mehr ältere Menschen, die auch immer mehr Pflegebedürftigkeit haben bzw. Krankheiten aufweisen, die einen gewissen Pflegebedarf mit sich bringen. Und die Menschen oder die jungen Leute, die quasi jetzt noch nachkommen, sind nicht in der Anzahl vorhanden, wie eigentlich die Pflege es benötigen würde, sodass wir halt gucken müssen, wie können wir trotzdem den pflegebedürftigen Menschen, die es gibt und die auch immer mehr vorhanden sein werden, gerecht zu werden. Und gerade da muss man sich an Hilfsmitteln bedienen und deswegen beschäftigen wir uns mit digitalen Assistenzsystemen, weil klar ersetzen sie keine Menschen, aber sie können eine wichtige Unterstützung darstellen im Pflegeprozess, wodurch es zu Arbeitserleichterungen kommt. Ich würde hier einfach mal ein Bild bzw. ein Beispiel skizzieren, um sie da auch nochmal besser mitnehmen zu können und zwar stellen wir uns jetzt einfach mal vor, wir gehen zu einer Klientin bzw. zu einer pflegebedürftigen Person nach Hause. Diese pflegebedürftigen Person gebe ich jetzt absichtlich keinen Namen, aber für sie, damit sie sich das besser vorstellen kann, nennen wir diese Person jetzt Frau Müller und diese Person hat diverse Erkrankungen, wodurch die Person zum Beispiel nicht mehr in der Lage ist, das Haus zu verlassen, aber die Angehörigen, die jetzt auch nicht in der Nähe wohnen, haben so den Verdacht, dass diese Person immer weiter abbaut, haben da natürlich aber auch gar keine Beweise für und möchten aber, dass ihre Angehörige so gut wie möglich versorgt ist und da kommt jetzt der ambulante Pflegedienst ins Spiel. Der ambulante Pflegedienst ist nicht nur da für die Krankheitspflege, die durch die Krankenkasse übernommen wird, sondern auch durch einen bestehenden Pflegegrad ist es dem ambulanten Pflegedienst und auch dementsprechend der pflegebedürftigen Person möglich, zusätzliche Pflege in Anspruch zu nehmen, sodass der ambulante Pflegedienst ungefähr zweimal die Woche diese Person aufsucht, um zum Beispiel Medikamente vorbeizubringen, die für diese Person wichtig ist, aber auch um vielleicht auch eine Körperpflege durchzuführen und dabei natürlich auch eine Krankheitsbeobachtung durchzuführen. Und wie kommt da jetzt das digitale Assistenzsystem ins Spiel? Wie Sie gerade von Manuel schon gehört haben, gibt es Bewegungssensoren? Das heißt, es ist möglich, dass wir Frau Müller durch den Tag über ein Dashboard, also über quasi eine Visualisierung der Daten, die wir quasi generieren, zu verfolgen bzw. zu beobachten. Also hat sie heute zum Beispiel überhaupt das Schlafzimmer verlassen? Ist sie überhaupt aufgestanden? Geht sie vielleicht nachts sehr oft auf Toilette und ist deswegen am Tag müde? Oder zum Beispiel sucht sie auch öfter den Kühlschrank in der Nacht auf und dadurch entstehen dann diese Beobachtungen, dass die Person am Tag nichts isst? Das sind alles Beobachtungen, die man nicht wahrnehmen kann, wenn man nicht 24 Stunden vor Ort ist, was ja bei vielen pflegebedürftigen Personen der Fall ist. Gerade wenn pflegebedürftige Personen alleine leben und auch nicht den regelmäßigen Kontakt haben zu Fachkräften oder auch zu ihren Angehörigen. Und da kommt jetzt die ambulante Pflege ins Spiel oder auch Angehörige, die dann durch dieses digitale Assistenzsystem die Möglichkeit haben zu sehen, bewegt sich die Person regelmäßig? Nimmt vielleicht auch im Verlauf die Bewegung ab, muss man dann da vielleicht tätig werden und auch den Arzt involvieren, dass man da dann auch wieder guckt, dass diese Person nicht weiter abbaut, sodass auch langfristig ein Leben zu Hause möglich ist. Denn das ist das Ziel, dass gerade durch diesen demografischen Wandel vielen Personen es ermöglicht wird, ihr Leben zu Hause zu verbringen, zu Hause zu altern, weil das nach wie vor ein großes Anliegen ist, was auch immer wieder wissenschaftlich bestätigt worden ist, dass wir natürlich gerne zu Hause alt werden möchten und nicht im Pflegeheim landen möchten. Was natürlich jetzt gar nicht despektierlich gemeint ist, aber auch da ist die ambulante Pflege im großen Fokus, würde ich jetzt einfach mal so sagen. Ich würde jetzt an dich, Manuel, das Wort zurückgeben. Du kannst mich gerne ergänzen, wenn ich Sachen vergessen habe, weil wir diesen Podcast nicht geskriptet haben. Deswegen verzeihen Sie es mir, wenn ich einige Aspekte vielleicht außen vor gelassen habe.
00:09:59: Manuel Schlifski: Eine Kleinigkeit habe ich tatsächlich, weil du die aufgezeigten Funktionalitäten von der Technik genannt hast und Szenarien, die damit zusammenhängen. Das ist, glaube ich, der Hinweis, den habe ich am Anfang vergessen, als es darum ging, was AIDA da eigentlich ist, wichtig, dass wir im Projekt nicht versuchen, neue Technik zu entwickeln, zu erfinden, sondern wir nehmen Technik, die es so bereits gibt auf dem Markt, die verfügbar ist, die vielleicht auch in einem gewissen Rahmen auch schon bezahlbar ist und bei der aber jetzt geprüft werden muss, inwiefern genau diese Potenziale, die Svenja gerade aufgezählt hat, dann auch abgerufen werden können. Also was muss passieren, damit nämlich die Angehörigen und die Pflegekräfte vernünftig mit der Technik arbeiten können, damit sie einen Mehrwert haben von den Potenzialen, die Svenja gerade aufgezählt hat. Und das ist quasi der Anspruch von unserem Projekt. Das war mir noch eine wichtige Ergänzung, damit einfach klar ist, uns geht es vor allem darum, den Prozess sich anzuschauen und Potenziale zu evaluieren, Barrieren und Befähiger zu identifizieren. Das sind sozusagen die Bereiche, in denen wir versuchen, Fortschritte zu erreichen und neue Erkenntnisse zu identifizieren. Das ist sozusagen das, was wir erreichen möchten und das natürlich in Bezug auf all die Dinge, die Svenja gerade genannt hat. Aber Entschuldigung, ich habe dich unterbrochen. Du hattest noch irgendeinen anderen Punkt gerade, den du ansprechen wolltest.
00:11:21: Svenja Schäfer: Genau, ich würde da einfach mal wieder einhaken und ich glaube, dieser Wortwechsel ist auch gar nicht schlecht. Und zwar geht es jetzt auch so ein bisschen darum, dass diese Perspektiven oder auch die Funktionen, die wir jetzt gerade schon angerissen haben, dass das jetzt natürlich in Kürze einer Podcast-Folge gar nicht so detailliert ausgeführt werden kann, sodass sie da aber auch noch im Verlauf des Podcasts, der mehrere Folgen haben wird, auch nochmal ausführlicher diese Funktionen erläutert bekommen. Und deswegen kommen wir jetzt hier auch gerade nochmal auf die Funktion des Podcasts. Warum brauchen wir diesen Podcast überhaupt?
00:12:01: Manuel Schlifski: Also für mich persönlich, der ja auch schon die Gelegenheit hatte, sehr lange im Projekt dabei zu sein, ist es einfach eine wichtige Gelegenheit, um auf das Projekt zurückzublicken, welches jetzt in diesem Jahr auch auf die Zielgerade einbiegt, sich noch einmal eine Reflexion zu holen von den Akteuren, die teilgenommen haben am Projekt, noch einmal gemeinsam zu schauen, was haben wir da eigentlich gemacht, was sind Dinge, die gut gelaufen sind, was sind Dinge, die vielleicht für künftige Projekte wichtig sind, dass man sie einfach mit beachtet. Das ist auch von meiner Sicht die Hauptfunktion von diesem Podcast. Und wenn wir dadurch einfach Leute erreichen, die bisher noch nichts von unserem Projekt mitbekommen haben, die vielleicht einfach außenstehend waren innerhalb des Praxispartners, die nicht direkt involviert waren in die Forschung, oder auch in die Nutzung der Technik oder auch Leute, die ganz von außerhalb kommen, zum Beispiel Studierende von unserer Hochschule, also wir kommen ja von der Evangelischen Hochschule in Bochum, oder andere Kolleginnen und Kollegen, die sich dafür interessieren, was machen wir da eigentlich im Projekt. Wenn wir die erreichen und denen so ein bisschen aufzeigen können, was wir da eigentlich so für Perspektiven aufgemacht haben, was wir für Ziele verfolgt haben, welche Fragestellungen wir beantwortet oder zumindest bearbeitet haben, dann ist das, glaube ich, ein ganz großer Mehrwert, den wir mit diesem Podcast erreichen. Das ist die Hoffnung, die ich an dieses kleine Mini-Projekt innerhalb des großen Projektes AIDA quasi habe.
00:13:23: Svenja Schäfer: Genau. Und wenn Sie als Person, die jetzt gerade zuhört, noch nicht mit angesprochen worden ist, keine Sorge, es ist nicht nur für das Fachpersonal gedacht, sondern auch Sie als Privatperson sind hiermit auch gerne herzlich eingeladen, mitzuhören, uns mitzuverfolgen, was ist hier passiert, warum machen wir das alles und welche Ergebnisse sind dabei auch rausbekommen. Weil gerade auch für Angehörige, Pflegebedürftige und alle Personen, die wir jetzt auch hier nicht mitbenannt haben, sind das Entwicklungen, die ich finde für alle interessant sind. Und hiermit möchte ich auch nochmal den ganz großen Appell anführen. Forschung ist für alle da. Deswegen fühlen Sie sich herzlich eingeladen, uns in diesem Podcast mit zu begleiten. Wir werden in den nächsten Folgen weitere Akteure beleuchten, die in diesem Projekt relevant waren. Und da teaser ich gerne einmal unseren nächsten Akteur an. Das ist die Pflegeorganisation, die in diesem Projekt mitgewirkt hat, die auch nochmal hier ihre Perspektive mit einbringen wird. Ich danke Ihnen ganz recht herzlich, dass Sie uns in dieser ersten Folge zugehört haben. Und ich hoffe oder wir hoffen, wir konnten Ihr Interesse wecken und Sie begleiten uns mit bei den weiteren Folgen. Vielen Dank fürs Zuhören.
00:14:44: Manuel Schlifski: Von mir auch vielen Dank und bis bald.
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