Stimmen aus der Pflege: Wissenschaft in der Pflege

Shownotes

Im Zentrum der Folge steht der partizipative Forschungsansatz, der die Perspektiven von Pflegebedürftigen, Pflegekräften und Pflegeorganisation konsequent einbezieht. Neben methodischen Einblicken stellen die Gesprächspartner auch zentrale Erkenntnisse und das entwickelte Rahmenmodell vor – ein Instrument zur besseren Nachvollziehbarkeit künftiger Digitalisierungsprozesse in der Pflegepraxis. Eine Folge für alle, die sich für den wissenschaftlichen Hintergrund und die praxisnahe Forschung in der Pflege interessieren.

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00:00:00: Svenja Schäfer: Dann darf ich Sie einmal wieder willkommen heißen zu einer Folge von AIDA - Stimmen aus der Pflege. Heute sprechen wir mit Frau Prof. Dr. Andrea Kuhlmann und Herrn Prof. Dr. Roland Schöttler, die Projektleitung des wissenschaftlichen Teams hinter dem Projekt AIDA Akteurszentrierte Integration digitaler Assistenzsysteme. Wir möchten erfahren, wie die Idee für das Projekt entstand, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse gewonnen wurden und welche Herausforderungen es auf dem Weg gab. Herr Schöttler, was war der ursprüngliche Anstoß oder die Motivation für das Projekt AIDA?

00:00:35: Prof. Dr. Roland Schöttler: Also das Thema digitale Assistenzsysteme in der ambulanten Pflege wird ja schon seit sehr langer Zeit diskutiert und erforscht. Und daher war es eigentlich längst bekannt, dass solche Systeme eine notwendige Akzeptanz haben und auch, dass sie einen Nutzen versprechen für die ambulante Pflege. Doch obwohl auch die Kosten mittlerweile in einem Bereich liegen, der üblicherweise für andere Pflegemaßnahmen auch ausgegeben wird und wir nach wie vor einen Pflegenotstand haben, ist es bisher nicht zu einer breiten Anwendung gekommen. Und genau in dieser Diskrepanz lag die Motivation für das Projekt AIDA, nämlich herauszufinden, warum diese Systeme bislang nicht in der Breite genutzt werden. Und wir sind davon ausgegangen, dass in dem doch recht komplexen Zusammenspiel der Akteursgruppen, der beteiligten Personen und der beteiligten Organisationen und auch in den notwendigen Voraussetzungen, dass in dieser Komplexität irgendwo Barrieren verborgen sind, die einer breiten Nutzung entgegenstehen. Und die wollten wir mit diesem Projekt erforschen.

00:01:47: Svenja Schäfer: Vielen Dank. Dann darf ich einmal an Sie, Frau Kuhlmann, abgeben. Welche spezifischen Probleme in der Pflege wollten Sie mit AIDA angehen?

00:01:55: Prof. Dr. Andrea Kuhlmann: Ja, wir haben konkret natürlich im Blick gehabt, dass die meisten Menschen mit Pflegebedarf sehr gerne in der Häuslichkeit verbleiben möchten. Das ist heute ja auch überwiegend der Fall. Von den rund sechs Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland lebt der Großteil, circa 85 Prozent, weiter in der Häuslichkeit und wird auch dort überwiegend durch Familien und aber auch durch Pflegedienste versorgt. Da sehen wir aber perspektivisch große Herausforderungen auf uns zukommen sozusagen. Denn bei fortschreitendem Pflegebedarf wird die Situation nicht mehr langfristig so sicherzustellen sein. Wesentliche Stichworte dazu sind natürlich die veränderten familiären Strukturen. Das heißt, tendenziell haben wir ein abnehmendes familiäres Unterstützungspotenzial für Menschen mit Pflegebedarf, weil die Menschen einfach nicht mehr so nah beieinander wohnen. Und auf der anderen Seite haben wir auch ein abnehmendes Potenzial an professionellen Pflegekräften. Das heißt, der Fachkräftemangel ist auch in diesem Setting ein großes Problem, sodass perspektivisch immer weniger Unterstützungsleistungen in der Häuslichkeit möglich sein werden. Bislang, wie gerade schon gesagt von Herrn Schöttler, ist es ja so, dass diese Möglichkeiten, die digitale Assistenz in diesem Feld bieten könnten, noch nicht ausreichend ausgeschöpft werden. Obwohl sie genau diesen Herausforderungen sehr gut begegnen könnten. Und deshalb ist es uns eben ein Anliegen gewesen, mit diesem Projekt genau diesen Möglichkeitsbereich näher unter die Lupe zu nehmen und eben auch konkrete Lösungsansätze zu erproben, um eben die Situation für Menschen mit Pflegebedarf, Pflegekräfte, aber auch Pflegeorganisationen zu verbessern und auch Möglichkeiten und Grenzen dieser Optionen oder dieser Möglichkeiten auszuloten.

00:03:44: Svenja Schäfer: Okay, dann wollen wir einmal zu Ihrer wissenschaftlichen Herangehensweise kommen. Und da wäre meine Frage an Sie, Frau Kuhlmann. Wie haben Sie die Einführung des digitalen Assistenzsystems wissenschaftlich begleitet?

00:03:58: Prof. Dr. Andrea Kuhlmann: Ja, wir haben grundsätzlich einen partizipativen Forschungsansatz in diesem Projekt verfolgt und gewählt, weil wir davon ausgehen, dass die Einführung digitaler Assistenzsysteme und auch die möglichen Anwendungskontexte, also die Szenarien in der ambulanten Pflege nur von den jeweiligen Akteursgruppen selbst definiert werden können. Deswegen war uns das ein Anliegen, das nicht vorzugeben, sondern wirklich mit den verschiedenen Gruppen auch auszuhandeln. Und in dem Sinne sind wir auch genauso vorgegangen. Wir haben gemeinsam Problemsituationen definiert, Szenarien definiert, in denen die Systeme eingesetzt werden sollen. Wir haben dann Anwendungsmöglichkeiten entwickelt und eben auch diese Szenarien so erprobt in mehreren Haushalten und auch gemeinsam die Bewertung der Erprobung sozusagen durchgeführt und immer wieder auch Anpassungen vorgenommen. Also die gemeinsame Erprobung oder eben dieser partizipative Ansatz war da unser Kernelement.

00:04:59: Svenja Schäfer: Dann darf ich einmal überleiten zur Kooperation mit den Pflegeakteuren und da wäre meine Frage an Sie, Herr Schöttler. Wie lief die Zusammenarbeit mit der Pflegeorganisation, den Pflegekräften und den Pflegebedürftigen ab?

00:05:11: Prof. Dr. Roland Schöttler: Also die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten war über den ganzen Zeitraum sehr konstruktiv und auch auf Augenhöhe. Dabei ist, glaube ich, wirklich anzumerken, dass wir mit dem Projekt natürlich einige sehr unerwartete Herausforderungen oder in dem Projekt solche Herausforderungen bewältigen mussten, denn insbesondere fiel unser Projektstart fast zeitgleich mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie zusammen und die hat natürlich wie überall anders auch, auch bei uns im Projekt einiges oder wenn nicht sogar alles auf den Kopf gestellt. Gerade die ohnehin gegebene Belastung der Pflege durch Personalmangel wurde in dieser Ausnahmesituation natürlich sehr sehr verschärft, weil insbesondere natürlich auch in der Pflege Corona ganz besondere Maßnahmen erforderlich gemacht hat. Und das hatte natürlich Auswirkungen auf unser Projekt, auch auf das, was wir im Projekt erreichen konnten. Und dennoch war es die ganze Zeit so, dass wir mit den Pflegebedürftigen, aber auch mit den Pflegekräften und der Pflegeorganisation insgesamt immer auf Augenhöhe sprechen konnten und sehr konstruktiv versucht haben, eben mit diesen Herausforderungen umzugehen.

00:06:29: Svenja Schäfer: Ja, spannende Einblicke. Was hat Sie, Frau Kuhlmann, an der Zusammenarbeit mit der Praxis beeindruckt?

00:06:35: Prof. Dr. Andrea Kuhlmann: Ja, insgesamt war sehr beeindruckend eben eine sehr große Offenheit, insbesondere der beteiligten Pflegekräfte. Da haben wir sehr oft eine große Ideenvielfalt kennenlernen dürfen und auch einen sehr kreativen Umgang mit dem neuen System, insbesondere auch zu schauen, wie kann man da wirklich Anschlussmöglichkeiten für die ambulante Pflegepraxis finden. Ein Beispiel, was mir in guter Erinnerung geblieben ist, ist die Weiterentwicklung eines Szenarios im Kontext der Blutzuckermessung. Da also wirklich zu schauen, wie kann man sozusagen über die Sensoren da noch weitere Optimierungspotenziale ausschöpfen? Das war sehr beeindruckend. Und wie gerade schon gesagt, die Zeit, in der wir das Projekt durchgeführt haben, war durch die äußeren Rahmenbedingungen sehr stark auch für alle Personen auch neu gewesen infolge der Pandemie. Und trotz dieser Belastung und Einschränkungen und ja, war eigentlich immer zu merken, dass eine große Motivation zur Teilnahme an dem Projekt vorhanden war und eben auch, ja, schon auch diese Weiterentwicklungsmöglichkeiten sehr positiv aufgenommen wurden. Und auch ein Blick gewagt wurde auf die nächste Pflegegeneration, die wirklich in diese Richtung zu schauen, wie kann man das ambulante Setting auch digital weiter unterstützen, damit ja, da möglichst stabile Versorgungsarrangements entstehen können.

00:07:56: Svenja Schäfer: Gut, dann darf ich jetzt einmal zu einem Schlagabtausch zu den Ergebnissen und den Auswirkungen bitten. Und zwar, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse können Sie aus dem Projekt mitnehmen?

00:08:05: Prof. Dr. Andrea Kuhlmann: Ja, ich fange da einfach mal an. Was uns eben sehr beeindruckt hat, war, dass wir abbilden können, dass in dem Zusammenhang der Nutzung digitaler Assistenzsysteme die Akteursvielfalt, aber insbesondere auch die unterschiedlichen Abhängigkeiten und Verwobenheiten zwischen den Akteursgruppen eine besondere Rolle gespielt haben in dem Projekt. Das ist sehr schön deutlich geworden. Ich habe mal ein Beispiel mitgebracht. Wenn digitale Technologien im Kontext der Pflege genutzt werden sollen, müssen natürlich Menschen mit Pflegebedarf entsprechend informiert und beraten werden. Das sollte im Idealfall auch durch Pflegekräfte erfolgen können, die eben die individuelle Situation der Menschen, der Patienten und Patientinnen kennen und dann auch entsprechend bedarfsgerechte Lösungsansätze anbieten können. Das kann aber nur erfolgen, wenn Pflegekräfte natürlich auch entsprechend geschult werden. Das heißt, dass sie selbst entsprechend informiert wurden über das Produkt, über die verschiedenen Möglichkeiten der Sensoren, die wir verwendet haben in unserem Projekt. Und das wiederum setzt aber voraus, dass die Pflegeorganisation natürlich auch entsprechende Möglichkeiten hat, diese Beratung möglich zu machen. Das heißt, dass Pflegekräfte auch eben entsprechend mit diesen neuen Technologien arbeiten können. Stichwort wäre hier auch Anpassung von Ablauf, Organisation und Ähnlichem. Ein großes Learning, was wir in dem Bereich hatten, war dann, dass eben diese Zusammenhänge, dass man das kennt und auch diese Voraussetzungen zu erkennen. Ein entsprechendes Change Management in der Praxis natürlich auch erfordern und dass das Ganze zwar zeitintensiv ist, aber dass sich natürlich das auch lohnt, wenn man dann diese Aspekte jeweils miteinander beachtet und die verschiedenen Interdependenzen dann auch berücksichtigen kann.

00:09:52: Svenja Schäfer: Vielen Dank schon mal für den Input. Jetzt gebe ich einmal weiter an Herrn Schöttler.

00:09:56: Prof. Dr. Roland Schöttler: Ja, also wir hatten uns ja ganz zu Anfang schon als Ziel gesetzt, dass wir gerne aus diesem Forschungsprojekt ein Rahmenmodell entwickeln wollten. Und zwar ein Rahmenmodell, was es uns erlaubt, diese vorhin schon angesprochen oder gerade auch beschriebene Komplexität im Zusammenspiel der beteiligten Akteure und die notwendigen Voraussetzungen sichtbarer zu machen und dadurch eben, so hoffen wir, Ansatzpunkte für die Praxis zu bieten, um Barrieren, um Hindernisse in solchen Innovations- und Digitalisierungsprozessen, ja man könnte sagen in Befähiger zu transformieren, also sie abzubauen und entsprechende Voraussetzungen zu schaffen. Wir konnten darüber hinaus zeigen, dass die Themenfelder, welche für eine erfolgreiche Einführung relevant sind, eigentlich für alle Akteursgruppen die gleichen sind. Es geht immer um Ressourcen, es geht um Fähigkeiten und Kompetenzen, es geht um Haltung und Bereitschaft oder neudeutsch über Readiness, Partizipation und auch Zielsetzung und Erwartungen. Und wir hoffen halt, dass wir durch die Verknüpfung dieser Themenfelder mit den Akteursgruppen transparenter machen, was letztendlich in den Blick genommen werden muss, um solche Digitalisierungsprozesse in ambulanten Pflegeorganisationen erfolgreich durchführen zu können.

00:11:23: Svenja Schäfer: Spannend, was Sie da auch alles schon auf die Beine gestellt haben. Da würde ich jetzt auch wieder Frau Kuhlmann einmal bitten, weiterzumachen.

00:11:31: Prof. Dr. Andrea Kuhlmann: Genau, ich hake da nochmal ein, Stichwort Partizipation. Ich hatte es vorhin schon gesagt, unser Forschungsansatz war ja partizipativ angelegt und es ist eigentlich nur nochmal deutlich zu unterstreichen an der Stelle, dass eben die Erprobung von Technik in der Pflegepraxis genauso wie Technikentwicklungsprozesse Beteiligung der verschiedenen Akteursgruppen erfordern. Diese Beteiligungsprozesse sind zwar sehr zeitintensiv und die aktuellen Rahmenbedingungen spielen uns da nicht unbedingt in die Karten. Insofern ist es im Moment im Kontext ambulanter Pflege auch hochvoraussetzungsvoll, Beteiligung zu realisieren. Aber trotz dieser erheblichen Herausforderungen erweist sich die fortlaufende Beteiligung von Menschen mit Pflegebedarf auch der Pflegekräfte und der Pflegeorganisation als der beste Ansatz tatsächlich, denn nur die Akteursgruppen selbst können ja definieren, welche Anforderungen für sie tatsächlich in der Pflegepraxis sich stellen und auch wie sie entscheiden, sie müssen entscheiden, wie sie die Technik tatsächlich nutzen wollen, damit es wirklich zu Verbesserungen und zu einer bestmöglichen Ausschöpfung dieser Potenziale kommt. Also wir können das nicht von außen vorgeben, sondern diesen Prozess nur begleiten und insofern spielt Partizipation eine große Rolle und sollte auch zukünftig bei solchen Projekten weiter berücksichtigt werden.

00:12:52: Svenja Schäfer: Vielen Dank, dann darf ich Herrn Schöttler auch noch mal bitten, auf die Organisation einzugehen, was sich da ergeben hat.

00:12:58: Prof. Dr. Roland Schöttler: Ja, Andrea Kuhlmann hat das ja gerade schon angesprochen, dass ein solches Projekt in der Regel auch eine Anpassung von Strukturen und Abläufen nach sich zieht und in der Tat wurde es im Laufe des Projektes immer deutlicher, dass der Nutzen eines solchen Systems auch wesentlich davon abhängt, wie gut es in die vorhandenen Strukturen eingebunden wird und wie Prozesse unter Berücksichtigung der neuen Technologie gestaltet werden. Digitale Assistenzsysteme sind in diesem Sinne eben nichts, das man aus der Schublade holt und sofort einsetzen kann, sondern es bedarf einer notwendigen Organisationsentwicklung für einen erfolgreichen Einsatz. Und so etwas braucht Zeit und kann in der Regel auch nur Schritt für Schritt erfolgen.

00:13:45: Svenja Schäfer: Vielen Dank. Und wie sieht es bei den Pflegebedürftigen aus und Ihren Angehörigen, Frau Kuhlmann?

00:13:52: Prof. Dr. Andrea Kuhlmann: Ja, auch da braucht es natürlich Zeit und gewisse Entwicklungen sind notwendig. Hier insbesondere auch im Sinne der digitalen Kompetenzentwicklung und auch eine Perspektive einnehmen zu können, digitale Technologien durchaus auch im Sinne der eigenen Vorsorge mitdenken zu können. Wir haben gesehen, für Menschen mit Pflegebedarf können digitale Assistenzsysteme zukünftig eine wichtige Rolle spielen, weil darüber der Verbleib in der Häuslichkeit, dass selbstständige und selbstbestimmte Wohnen sozusagen gefördert, unterstützt werden kann. Und in dem Sinne wäre eine Vorsorgeplanung für das eigene Altern, sozusagen alternsbedingte oder auch krankheitsbedingte Einschränkungen sozusagen auch damit zu kompensieren, dass man digitale Unterstützungsmöglichkeiten mit einbezieht. Das wäre so etwas, was in die Reflexion zukünftig stärker mit eingebunden werden sollte. Wesentlich erscheint uns dabei aber eine informierte Entscheidung für eine bestimmte Technologie. Und da ist es eben sehr besonders wichtig, entsprechend auch digitale Kompetenzen aufzubauen, damit ich überhaupt verstehen und entscheiden kann, was für mich das Richtige ist. Ich muss also selbst einschätzen können, welche Technologien ich in der jeweiligen Situation als angemessen empfinde und was ich auch persönlich bereit bin zu akzeptieren und kann dann aber sicherlich mein Altern auch selbstbestimmt mit digitaler Unterstützung gestalten. Und das wäre eine Perspektive, die noch weiter zu entwickeln wäre.

00:15:25: Svenja Schäfer: Vielen Dank für diese spannenden Ergebnisse. Jetzt mag ich einmal überleiten. Und zwar, wie können die gewonnenen Erkenntnisse zukünftig in anderen Praxisprojekten oder Forschungsvorhaben genutzt werden, Herr Schöttler?

00:15:37: Prof. Dr. Roland Schöttler: Ja, wie gerade schon angesprochen, hoffen wir natürlich für die Praxis, dass wir mit unseren Ergebnissen und insbesondere mit dem Rahmenmodell dazu beitragen können, zukünftige Digitalisierungsprojekte erfolgreicher zu gestalten und letztendlich dadurch auch beizutragen, dass sie in einer größeren Menge oder in einer größeren Breite genutzt werden. Und das Rahmenmodell soll eben es ermöglichen, die notwendigen Akteursgruppen und die relevanten Themenfelder von vornherein zu kennen und dementsprechend auch berücksichtigen zu können. Mit Blick auf die Forschung sehen wir natürlich gerade ganz aktuell, dass durch die Daten, die ein solches System sammeln und bereitstellen kann, in Verbindung mit KI zum Beispiel ganz neue Szenarien möglich werden. Wir sehen hier bereits erste Anwendungsfälle, aber die müssen natürlich genauer beleuchtet und letztlich auch erforscht werden, was sicherlich auch für die Zukunft spannende Forschungsvorhaben ermöglichen wird.

00:16:41: Svenja Schäfer: Vielen Dank. Das würde mich einmal zu der Frage bringen, was wünschen Sie sich für die Weiterentwicklung der Digitalisierung in der ambulanten Pflege aus Forschungssicht, Frau Kuhlmann?

00:16:51: Prof. Dr. Andrea Kuhlmann: Ja, aus unserer Sicht die Einführung von Technologie und auch eben die Anpassung an die jeweiligen Anforderungen in der Praxis erfordert natürlich ein gewisses Wissen. Und da sehen wir an erster Stelle auch, dass wir durch den Einsatz von akademisierten Pflegekräften dort insbesondere die internen fachlichen Planungen und auch die Prozesse gut unterstützen können. Akademisierte Pflegekräfte werden in verschiedenen Studiengängen auf den Umgang mit Innovationen vorbereitet und sind auch darin geübt, Veränderungsprozesse vorzubereiten, zu planen, zu gestalten. Und gerade für die schnellen Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung halten wir oder sind in verschiedenen akademischen Qualifikationsprofilen sehr geeignet, in der Pflegepraxis auch solche Prozesse entsprechend zu unterstützen und diesen komplexen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Ein zweiter wichtiger Punkt ist, dass auch die Ausbildung der Pflegefachkräfte, die generalistische Pflegeausbildung weiter angepasst werden sollte. Hier sollten Digitalisierung und auch der Umgang mit digitalen Unterstützungssystemen eine größere Rolle spielen, zukünftig und fest verankert werden. Es gilt, Auszubildende da zukünftig wirklich auf eine digitale Pflegepraxis vorzubereiten. Beispiele dafür sind die digitale Patientenakte und Dokumentation, aber auch Entwicklung im Bereich von Telenursing und interprofessionelle Kommunikation, die auch digital gestaltet werden, wird zukünftig, wären dort weitere Anwendungsfelder. Und natürlich auch digitale Unterstützungsmöglichkeiten. Da ist das Spektrum natürlich sehr groß. Denken wir an eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten von Patienten und Patientinnen. Es gibt verschiedene Sprach-Apps, die unterstützen können und natürlich auch komplexere digitale Unterstützungsmöglichkeiten im häuslichen Bereich, die es gilt, kennenzulernen und auch damit umgehen zu können.

00:18:53: Svenja Schäfer: Vielen Dank an Frau Prof. Dr. Kuhlmann und Herr Prof. Dr. Schöttler, dass Sie uns einen Einblick in die wissenschaftliche Ebene des Projektes gegeben haben. Es war spannend zu hören, wie AIDA aus Forschungsperspektive entstanden ist und welche Erkenntnisse Sie mitnehmen konnten. Damit schließen wir den Podcast von AIDA - Stimmen aus der Pflege ab und hoffen, Sie hatten spannende Einblicke in die verschiedenen Perspektiven der Integration eines digitalen Assistenzsystems in der ambulanten Pflege. Vielen Dank fürs Zuhören!

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