Stimmen aus der Pflege: Innovation in der Pflege

Shownotes

Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, wie moderne technische Lösungen den Pflegealltag erleichtern können, welche Innovationen im Rahmen des Projekts AIDA eingesetzt wurden und wie diese funktionieren. Dabei werden sowohl technische Grundlagen als auch konkrete Anwendungsszenarien vorgestellt. Darüber hinaus sprechen die Gesprächspartner über die aktuellen und zukünftigen Potenziale eines Einsatzes von digitaler Assistenztechnologie in der Pflege. Diese Folge bietet wertvolle Einblicke für Fachkräfte, Technikinteressierte und alle, die grundsätzlich an der Digitalisierung von Pflege interessiert sind.

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00:00:04: Manuel Schlifski: Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von AIDA: Stimmen aus der Pflege. Heute sprechen wir mit Herrn Enrico Lörke, Geschäftsführer der inhaus GmbH. Die inHaus GmbH ist unser Technikpartner im Projekt AIDA und deswegen natürlich auch eine wichtige Perspektive, die wir bei diesem kleinen Rückblick auf das Projekt zu Wort kommen lassen möchten. Auch mit dabei ist wieder Frau Svenja Schäfer zusammen mit mir, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt AIDA. Sie kennen sich schon aus früheren Folgen, aus unseren Podcasts. Im Fokus stehen aber natürlich Sie, gerade angesprochen, Herr Lörke. Schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben, dass Sie zur Verfügung stehen für ein kurzes Gespräch. Als erstes würde ich Sie fragen, ob Sie sich einmal kurz vorstellen mögen und Ihre Rolle im Projekt AIDA beschreiben.

00:00:53: Enrico Löhrke: Mache ich natürlich sehr gerne. Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich auch dabei sein zu können. Ja, Sie hatten mich ja eigentlich schon sehr gut vorgestellt. Also Enrico Löhrke ist mein Name, bin Geschäftsführer der inhaus GmbH. Wir sind seit 2005 als Unternehmen tätig mit technischen Assistenzlösungen in der Pflege- und Sozialwirtschaft. Und wir sind tatsächlich, so wie Sie auch angesprochen haben, der technische Partner in dem Projekt AIDA und haben ein, am Markt schon bundesweit eingesetztes, Assistenzsystem mit eingebracht für das ambulante Setting in dem Projekt.

00:01:30: Svenja Schäfer: Genau, dann mag ich einmal direkt überleiten und einen Einblick in die Technik quasi einfordern für unsere Hörerschaft. Und zwar geht es uns darum, welche Art von Sensorik denn in den Haushalten der Pflegebedürftigen im Rahmen des Projektes installiert wurden.

00:01:55: Enrico Löhrke: Ja, da muss man vielleicht kurz einleitend nochmal etwas differenzieren, weil immer dann, wenn wir über technische Assistenzsysteme sprechen in der Praxis, ist es sehr, sehr häufig, dass technische Assistenzsysteme oder Sensorik eingesetzt wird, um mögliche Unterstützungsbedarfe, Gefahrensituationen zu erkennen, um dann schnell reagieren zu können. Das haben wir in dem Projekt aber nicht in den Fokus genommen, sondern wir haben gesagt, wir möchten gerne die Sensorik, und das sind dann beispielsweise Aktivitätssensoren, das sind Türkontakte, das sind Sensorik, die Stromverbräuche mitbekommt oder Vitaldaten erfassen, in die Wohnumgebung integriert, damit der ambulante Pflegedienst eine Möglichkeit bekommt, eine Einschätzung zu treffen, wie ist die Alltagskompetenz und wie sind die Alltagsabläufe? Also sprich, wie selbstständig sind die jeweiligen Bewohnenden noch in der Wohnung?

00:02:49: Svenja Schäfer: Und wenn Sie uns jetzt erklären wollen würden, wie die Sensoren überhaupt funktionieren, also wie genau funktioniert so ein Sensor? hatten jetzt gerade Aktivitätssensoren angesprochen, aber auch Türkontakte. Könnten Sie das für uns greifbar machen, wie so ein Sensor funktioniert?

00:03:02: Enrico Löhrke: Ich kann es sehr, sehr gerne versuchen. Also vom Prinzip geht es erstmal darum, dass wir sagen, ethisch betrachtet, wir möchten keine Kameras in die Wohnungen integrieren. Nichtsdestotrotz ist es natürlich hochinteressant für einen ambulanten Dienst zu sagen, wie selbstständig ist denn die Frau Müller in der Wohnung X noch? Und dafür nutzen wir einfach die Sensorik, die dann beispielsweise mitbekommt, wie sind so die Alltagsabläufe in der Wohnung? Das heißt, wann geht Frau Müller normalerweise ins Bett? Schläft sie nachts oder ist sie nächtlich unruhig? Verlässt sie nachts beispielsweise auf Basis von Lauftendenzen die Wohnung, weil sie es früher gewohnt war, einfach gerne zum Markt einkaufen zu gehen? Das nachts um zwei aber vielleicht nicht die beste Idee ist und darüber brauchen wir halt Informationen. Das heißt also, zusammengefasst, auf Basis der Bewegungs- und Aktivitätsabläufe in der Wohnung kann man dann relativ gut ein Bild und einen Eindruck, eine Einschätzung bekommen, wie selbstständig funktioniert der Tagesablauf noch, was funktioniert in diesen Tagesabläufen noch, was funktioniert vielleicht nicht, damit dann ein ambulanter Dienst entsprechend unterstützen kann.

00:04:08: Manuel Schlifski: Ich würde gerne an einer Stelle einhaken, weil Sie gerade auch von ethischen sozusagen Grundbedingungen gesprochen haben, die nicht ganz irrelevant sind, insbesondere dann, wenn man Technik mit in die Wohnung bringt. Und würde das gerne erweitern auf generelle Beeinträchtigungen, die es ja durchaus geben könnte in den Haushalten von Pflegebedürftigen, wenn man dort Technik hineinbringt. Meine Frage wäre da an dieser Stelle, wie sorgen die Sensoren dafür, dass der Alltag der Pflegebedürftigen möglichst wenig beeinträchtigt wird?

00:04:37: Enrico Löhrke: Ja, das ist eine hervorragende Frage. Also in unserer Philosophie relativ trivial, weil wir einfach den Anspruch und die Philosophie haben, zu sagen, die Bewohnenden sollen am besten gar nichts bedienen müssen und müssen sich auch nicht an zusätzliche Geräte gewöhnen oder den Umgang damit erlernen. Also man hat das relativ häufig bei technischen Assistenzsystemen, dass dann auf einmal Tablets oder irgendwelche smarten Devices mit in die Wohnung eingebracht werden, die vorher einfach nicht da waren, wo vielleicht auch die Bewohnenden noch gar keinen Bezug haben. Wir machen es eher so, dass wir sagen, die Technologie ist unauffällig im Hintergrund aktiv und unterstützt dann einfach in Alltagsabläufen oder liefert Informationen nicht. Ich mache einfach mal, weil Frau Schäfer auch nach einem greifbaren Beispiel mal gefragt hat. Ich nehme einfach mal ein Szenario. Normalerweise schläft die Frau Müller nachts sehr, sehr gut. Geht auch, ich sage mal so um 22.30 Uhr ins Bett, schläft dann durch, muss auch nachts gar nicht auf Toilette und steht dann morgens normalerweise irgendwie so gegen 7 Uhr auf, geht dann normalerweise ins Badezimmer und danach in die Küche macht sich einen Tee, nehmen heute mal Tee und das Frühstück. So, das kann die Sensorik oder die Wohnungsausstattung sehr, sehr gut mitbekommen. Warum? Weil wir einfach das Zu-Bett-Gehen mitbekommen oder wenn sie dann, ich sage mal, nachts aufstehen würde, weil sie zur Toilette gehen würde, würden wir das Aufstellen des Fußes erkennen, würden ein Nachtorientierungslicht in der Wohnung einschalten, also Minimierung des Sturzrisikos, damit man nicht im Dunkeln läuft. Das würde aber die Wohnungsausstattung mitbekommen. Dann würde sie auch durch die Sensorik im Badezimmer, nochmal der ganz wichtige Hinweis, keine Kameras, das sind einfach nur Aktivitäten und Aufenthaltszeiten, die wir mitbekommen, im Badezimmer erfasst, würde dann zurückgehen ins Bett und das sind alles Informationen, die wir dann ganz einfach nutzen können und auswerten, intuitiv den Pflegekräften zur Verfügung stellen, dass wir sagen, guck mal, die Frau Müller geht normalerweise um 22.30 Uhr ins Bett, schläft dann bis 7 Uhr, steht dann auf, geht ins Badezimmer und danach macht sie sich Frühstück in der Küche. Das wäre so der normale Ablauf und wenn dann Dinge abweichen oder nicht mehr so gut funktionieren, dann ist das eine Information an die Pflegekräfte, dass sie entsprechend die ambulante Betreuung anpassen können.

00:06:53: Manuel Schlifski: Jetzt werden nicht solche heiklen Informationen wie Bild- und Tonaufnahmen gemacht aus genannten und verständlichen Gründen und trotzdem sind es ja Informationen über das private Leben der Menschen in ihren Haushalten. Deswegen würde ich da einmal nachhaken wollen und fragen, wie sichergestellt wird, dass Datenschutz und Privatsphäre natürlich trotzdem eingehalten werden in Bezug auf zum Beispiel die persönliche Aktivität im Haushalt.

00:07:17: Enrico Löhrke: Ja, das ist einer der wichtigsten Punkte, die wir von Anfang an auch mit in dem System, in der Umsetzung realisiert haben von Anfang an. Das heißt, bei uns ist es so, dass keine Daten irgendwo in die Cloud oder ins Internet gehen, sondern das ganze System mit allen Komponenten inklusive auch der Softwareanwendungen, also des Pflegecockpits, laufen quasi in dem Projekt auch in den IT-Strukturen des Nutzers, der Anwender. Das heißt, in dem Fall sind es jetzt nicht die Bewohnenden, natürlich ist das System in der Quartierswohnung integriert, ist dann quasi in das Netzwerk des ambulanten Dienstes integriert und die Mitarbeitenden können dann tatsächlich einfach über Endgeräte darauf zurückgreifen. Das heißt, um jetzt nicht ganz so technisch zu werden, die Daten verlassen eigentlich nicht das Netzwerk des ambulanten Dienstes. So, das ist der eine Part, der, glaube ich, sehr, sehr wichtig ist. Und der andere Punkt ist, dass die Daten natürlich trotzdem anonymisiert sind. Also es wird niemals eine Information übertragen, Frau Müller, 22.30 Uhr, Aktivität Badezimmer für fünf Minuten. Sondern da kommt dann einfach nur die Information, Aktivität Badezimmer, 22.30 Uhr, fünf Minuten.

00:08:37: Manuel Schlifski: Eine kleine Nachfrage dazu, weil die ja, ich bin mit involviert gewesen in die Abläufe und wie das diskutiert wurde, aber vielleicht mögen Sie das aus Ihrer Perspektive noch einmal beschreiben, wie es mit dem Zugriff für die jeweiligen Akteure auf genau diese Daten aussieht. Weil das ist ja nochmal eine relativ interessante Geschichte. Nicht nur, wo die Daten liegen, sondern wie komme ich jetzt auch daran gewissermaßen?

00:09:01: Enrico Löhrke: Ja, also natürlich haben wir mit dem Zugriff auf das Pflegecockpit alle technischen State-of-the-Arts-Punkte mit berücksichtigt. Das heißt, also natürlich habe ich einen Benutzer und ein Passwort. Wir haben eine Zwei-Faktor-Authentifizierung gemacht. Das sind die technischen Punkte, die relevant sind. Auf der anderen Seite ist natürlich das auch so hinterlegt, dass je nachdem, wer sich anmeldet in dem Pflegecockpit, ich natürlich auch nicht alle Informationen dann immer zur Verfügung habe. Das heißt, wenn ich jetzt beispielsweise als Pflegeleitungskraft mich einwähle oder anmelde an das Pflegecockpit, habe ich natürlich viel, viel mehr Informationen, als das möglicherweise, auch das haben wir ja besprochen und auch realisiert, Angehörige haben. Die haben natürlich eine ganz andere Einsicht in die Daten als jetzt eine Pflegeleitungskraft. Und ich glaube, das ist auch sehr, sehr wichtig, nicht nur aus Datenschutzgründen, sondern auch im Umgang untereinander, was mache ich auf Basis der Informationen.

00:10:01: Svenja Schäfer: Okay, das war nochmal ein sehr spannender Einblick, gerade auch jetzt im Punkt Haushalt. Würde ich gerne einmal rüberschwenken wollen, und zwar in die Nutzung durch die Pflegekräfte, die ja quasi das Pflegecockpit, so wie Sie es gerade benannt haben, oder wie es auch bei uns hieß, das Dashboard als Analyse-Tool. Und da wäre meine Frage, wie werden die Daten der Sensorik im Dashboard visualisiert? Wie kann man sich das vorstellen und wie unterstützen Sie die Pflegekräfte im Alltag? hatten Sie kurz schon angerissen, aber vielleicht mögen Sie das noch einmal weiter ausführen.

00:10:32: Enrico Löhrke: Im Wesentlichen basiert das Pflegecockpit auf drei Säulen. Die erste Säule ist prinzipiell die Möglichkeit, dass man Unterstützungsbedarfe schnell über ein Ampelsystem einsehen kann. Also, wenn beispielsweise, das ist eines meiner Lieblingsbeispiele, nächtlicher Toilettengang ohne Rückkehr zum Bett. Das heißt, ich werde nachts wach, möchte zur Toilette gehen, gehe auch zur Toilette, aber komme danach nicht mehr im Bett an, weil möglicherweise ein Sturz etc. erfolgt ist, dann kann ich das sehr, sehr schnell sehen. Das ist aber in dem Projekt, wie eingangs schon angesprochen, nicht der relevante Faktor gewesen, sondern das, was in dem Projekt eigentlich viel interessanter war, war, wie habe ich die Möglichkeit, auf einen Blick sofort zu sehen, wie Tagesaktivitäten sind, wie einfach die Selbstbestimmung im Alltag ist. Und das kann ich, das ist eine Funktion, die nennt sich bei uns Aktivitätenübersicht. Und da kann ich auf einen Blick tatsächlich sehen, über den Tag sind so einzelne Punkte und Aktivitäten zu sehen pro Tag. Und da muss ich auch nicht viel analysieren. Ich gucke einmal drauf und sehe beispielsweise in der Nachtphase, wenn da keine Aktivitäten sind, dann schläft die Frau Müller. Sind da auf einmal viele Aktivitäten, dann weiß ich und kann davon ausgehen, sie kann nicht schlafen, sondern sie muss aktiv sein und dann kann ich das aufklappen. Und dann sehe ich beispielsweise, wenn sie in der Nacht sechs, sieben Mal, ist jetzt fiktiv, aus dem Bett aussteht, was macht sie dann? Geht sie danach ins Badezimmer? Verlässt sie die Wohnung? Schaut sie beispielsweise Fernsehen, was wir dann über den Stromverbrauch mitbekommen? Und das sind Informationen, die ich nutzen kann. Und die dritte Säule, das ist eigentlich das, was mittlerweile immer zunehmend interessanter wird, die Einbindung von künstlicher Intelligenz. Das heißt, wir nutzen künstliche Intelligenz, um Alltagsabläufe, die Alltagskompetenz durch künstliche Intelligenz zu lernen, dann für den ambulanten Pflegedienst so aufzubereiten, dass wir quasi den typischen Tagesablauf von der Frau Müller vorhersagen können. Das heißt also, wann finden welche Aktivitäten statt, zu welchem Zeitraum, wie lange. Und in dem Moment, wo es dann Abweichungen davon gibt, beispielsweise in der Badnutzung oder beim Zähne putzen oder beim Frühstück machen, ist das natürlich ein ganz, ganz wesentlicher Information für den ambulanten Dienst, weil sie dann zum Beispiel in der Morgenhygiene unterstützen oder in der Alltagsstruktur unterstützen. Und das sind schlichtweg dann auch Informationen, die für einen ambulanten Pflegedienst mit, ich sage mal, 10 bis 30 Minuten Anwesenheitszeit pro Tag in der Wohnung so nur sehr, sehr schwer zu bekommen sind.

00:12:56: Svenja Schäfer: Vielen Dank. Da haben Sie mir auch direkt ein Beispiel gegeben, wie man durch Daten Auffälligkeiten und Veränderungen erkennen kann. Können Sie, also wenn ich mir das jetzt so vorstelle, wenn ich quasi jetzt in unsere Hörerschaft gehen würde, habe ich jetzt einen Bildschirm vor Augen und da sehe ich dann vielleicht Wohnung X und dann haben Sie jetzt gerade gesagt, dann sieht man quasi Punkte zu verschiedenen Uhrzeiten. Ist das dann wie so eine Kurve, wie dann die Bewegungen dargestellt werden oder wie müsste ich mir jetzt dieses Bild von dieser Übersicht von meinem inneren Auge vorstellen?

00:13:34: Enrico Löhrke: Ja, vom Prinzip können wir das eigentlich genau bei dieser bildlichen Idee, die Sie gerade skizziert haben, schon belassen. Sie sehen quasi immer einen Tag und das ist quasi wie so ein vertikaler Balken und dort sehen Sie Aktivitäten. Und diese Aktivitäten sind, wenn es einzelne, ganz kurz Aktivitäten sind immer ein Punkt, sind es intensivere und längere Aktivitäten, werden es immer mehr zusammenhängende. Das heißt, immer größere Bereiche, die Sie dann sofort sehen. Und das ist das, wo wir immer gesagt haben als Unternehmen, wir versuchen ja immer technische Lösungen auf Basis der Anforderungen von den Profis aus der Pflege umzusetzen. Und wir haben immer gesagt, es muss eine Lösung sein, wo Pflegekräfte keine Schulungen besuchen müssen, wo sie nicht Software studiert haben müssen, sondern wo man intuitiv drauf schaut und sofort sieht, okay, das ist die Situation. Und wenn ich aber Details wissen will, dann gehe ich in die Details rein. Aber vom Prinzip ist es genau das, was Sie gerade gesagt haben. Um das vielleicht auch mal mit einem Beispiel aus dem Projekt deutlich zu machen, was ich persönlich sehr, sehr schön fand. Es war, glaube ich, ein Herr in einer Quartierswohnung, wo durch die täglichen Besuche des ambulanten Dienstes nicht deutlich wurde, dass er eigentlich nachts nicht schläft. Sondern man hat sich immer gewundert, wann er am Tag ein bisschen immobil ist, warum er vielleicht nicht so am Alltagsgeschehen teilgenommen hat. Und dann hat man das Pflegecockpit einfach genutzt und hat sich insbesondere dann mal die Aktivitätenübersichten angeschaut. Und da wurde deutlich, dass dieser Herr einfach nachts tatsächlich so gut wie nicht schläft, sondern sehr viel in der Wohnung aktiv ist. Und das sind schlichtweg einfach Informationen. Die hat man da wahrscheinlich innerhalb von einer halben Minute konnte man das sehen, konnte das auswerten und hatte dann auf einmal die Information zu sagen, oh, das wussten wir gar nicht. wussten auch die Angehörigen dann vermutlich nicht aus Rücksprache. Und auf Basis dessen kann man dann gemeinsam natürlich auch überlegen, ist eine Medikamenteneinstellung notwendig? Ist vielleicht eine andere Art der ambulanten Betreuung notwendig? Aber das ist eigentlich das, was so die Idee in dem Projekt war, dass wir eine Chance hatten, Informationen zur Verfügung zu stellen, die sonst nur schwer oder gar nicht existent sind.

00:15:36: Manuel Schlifski: Jetzt haben wir mit Ihnen gemeinsam in diesem Projekt technisch natürlich nicht bei Null angefangen, sondern Sie haben natürlich schon ein System eingebracht in den Prozess, der so auch schon marktreif ist. Und trotzdem ist es natürlich so, dass, und das wissen Sie wahrscheinlich besser als wir beide, technische Entwicklung und Innovation niemals aufhört. Das sind Prozesse, die immer weitergehen. Ich würde gerne von Ihnen wissen, wie Sie die technischen Anpassungen im Laufe des Projektes wahrgenommen haben. Was gab es so für Entwicklungen und Innovationen und Anpassungen, die relevant gewesen sind, die sich vielleicht auch als Grundlage des Feedbacks aus der Pflege ergeben haben oder aus Feedback innerhalb dieser Zeit während des Projektes?

00:16:17: Enrico Löhrke: Ich glaube, das, was immer ganz, ganz wichtig ist, Technik wird niemals pauschal für alle Nutzenden gleich funktionieren. Und da ist es eigentlich auch fast irrelevant, ob wir Nutzende meinen mit Anwendern, also die Bewohnenden in den Wohnungen, oder ob wir Pflegemitarbeitenden nehmen aus den jeweiligen Unternehmen der Pflege-Sozialwirtschaft. In dem Projekt, das, was Sie sagten, war eigentlich das, was total interessant war, dass wir sagten, wir bringen ein funktionierendes, evaluiertes, in der Praxis befindliches technisches Assistenzsystem mit ein. Und haben aber in unterschiedlichen Workshops und Gesprächen trotzdem einfach individuelle Anpassungsmöglichkeiten, sei es jetzt Einbindung in die vorhandenen IT-Strukturen, Vereinfachung des Zugriffs auf Basis der IT-Strukturen oder das Abrufen von Informationen. Und letzteres zum Beispiel fand ich hochinteressant, dass Pflegekräfte gesagt haben, wir haben ja einfach immer weniger Zeit zur Verfügung. Wir brauchen gar nicht immer die Detailfunktion. Manchmal reicht auch einfach nur ein kurzer Überblick und haben wir da eine Möglichkeit, das für uns zu individualisieren, dass wir möglicherweise schneller an Informationen kommen oder leichter an Informationen kommen und nur bei Bedarf dann halt tatsächlich in die Details eintauchen. Und das ist zum Beispiel was, was ich sehr interessant fand, was sich aus den Gesprächen, aus Workshops heraus ergeben hat, was wir dann gemeinsam auch angepasst haben.

00:17:40: Manuel Schlifski: Gab es darüber hinaus etwas, was Sie aus dem Projekt mitnehmen? Gab es möglicherweise so etwas wie einen Aha-Moment vielleicht sogar?

00:17:47: Enrico Löhrke: Ja, das, was ich leicht schon eben angedeutet habe. Wir sind ja seit 2005 schon in der Pflege- und Sozialwirtschaft mit technischen Assistenzlösungen unterwegs. Und für uns ist immer ganz wichtig, dass wir die Impulse aus der Praxis, von den Profis aus der Anwendung mitnehmen können. Und auch die gab es natürlich in diesem Projekt. Und einer, der, glaube ich, sehr, sehr signifikant für uns war, war der Aspekt, dass wir noch mal mehr mitbekommen, dass in den ambulanten Abläufen, das heißt also, wenn Sie jetzt beispielsweise die Pflegekräfte mit den Autos zu den Quartierswohnungen unterwegs sind, eigentlich sehr, sehr eng getaktet sind, also die haben sehr, sehr wenig Zeitressourcen, die sie nutzen können, auch in der Zeit, die sie in den Wohnungen bei den Bewohnenden vor Ort sind. Und das war tatsächlich noch mal so ein Aha-Moment mitzubekommen, dass Sie sagen, ja, unsere Möglichkeiten auch der Analyse, auch wenn Technik schon sehr, sehr viel unterstützt, sind einfach begrenzt. Und wir müssen gemeinsam, und das haben wir in dem Projekt, finde ich, sehr, sehr gut gemacht, gemeinsam überlegen, wie wir die wenige Zeit so effizient wie möglich nutzen, und dann die Informationen auch so leicht wie möglich und so schnell zugänglich wie möglich zur Verfügung zu stellen, dass einfach mit wenig Zeit so viel wie möglich Assistenz realisiert werden kann. Also Assistenz im Sinne von Informationen des Systems den Pflegekräften zur Verfügung zu stellen.

00:19:04: Svenja Schäfer: Und wenn wir jetzt einmal in die Zukunft schauen, wo sehen Sie Potenziale für die Weiterentwicklung solcher Technologien in der Pflege?

00:19:14: Enrico Löhrke: Ja, ich glaube tatsächlich auch das Stichwort, was wir schon hatten, künstliche Intelligenz, wird sehr, sehr viel verändern. Also wir sind als Unternehmen ja schon seit sechs Jahren in dem Bereich künstliche Intelligenz unterwegs. Das ist auch einer der Punkte, die für uns perspektivisch nicht nur jetzt schon die größte Rolle spielt, sondern auch perspektivisch haben wird. Und ich glaube, da wird man auch sehr, sehr viel im Sinne von Assistenz und Unterstützung leisten und bieten können, weil wir einfach unterschiedliche Informationen korrelieren können, weil wir Informationen aufbereiten und zur Verfügung stellen können und dann einfach auch tatsächlich in Kombination mit immer weniger werdenden zur Verfügung stehenden, leider ,Mitarbeitenden, aber auch der wenigen Zeit, die zur Verfügung steht, das einfach dahingehend unterstützen, dass halt in der kurzen Zeit ja mehr Assistenz möglich wird. Entlastung ist hier das große Stichwort. Und da kann, glaube ich, KI eine ganz, ganz große Rolle spielen.

00:20:07: Svenja Schäfer: Ja, vielen Dank für Ihre spannenden Einblicke. Möchten Sie unseren HörerInnen noch etwas auf den Weg geben?

00:20:15: Enrico Löhrke: Ich glaube, wenn man oder wenn ich etwas auf den Weg geben möchte, dann ist es tatsächlich auch ein Stück weit der Punkt, das hatten Sie ja auch angesprochen. Es gibt mittlerweile in der Praxis sehr, sehr viel, wo wirklich Technologie sinnvoll unterstützen kann. Ich höre immer wieder, wir brauchen in Deutschland Leuchttürme. Wir müssen Leuchttürme für technische Assistenz, für Digitalisierung schaffen. Ich glaube, wenn ich mir was wünschen dürfte, ist es einfach ab und zu mal in die Praxis reinschauen, auch in den Austausch mit der Praxis zu gehen. Auch jetzt zum Beispiel mit solchen tollen, erfolgreichen Projekten, um tatsächlich Erfahrungen aufzunehmen, weil nicht immer muss man das Rad neu erfinden. Und ich habe immer so ein bisschen, wenn ich das auf Kongressen auch sage, mit den Leuchttürmen, wir haben mittlerweile so viele Leuchttürme, so viel Küstenfläche haben wir gar nicht in Deutschland. Deswegen einfach der Wunsch, in die Praxis gehen, in den Austausch stehen, sich anschauen, was schon erfolgreich gemacht worden ist. Da ist, glaube ich, in Deutschland schon sehr, sehr viel vorhanden.

00:21:10: Manuel Schlifski: Ja, lieber Herr Löhrke, ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre Zeit, dass Sie das heute möglich machen konnten, wir uns austauschen konnten. Das war es für diese Folge. Das ist die vierte und letzte Folge gewesen. Unseres Podcast-Projektes AIDA: Stimmen aus der Pflege. Im Namen von Frau Schäfer und mir möchten wir nicht nur Ihnen danken, Herr Löhrke, sondern auch allen anderen, die sich bereit erklärt hatten, an diesem kleinen Projekt mitzuwirken, sowohl was die Organisation als auch die tatsächlichen Inhalte in den einzelnen Folgen angeht. Und abschließend möchte ich mich natürlich bei allen Personen bedanken, die uns fleißig zugehört haben, die sich die Zeit genommen haben, auch die einzelnen Perspektiven anzuhören, die wir im Projekt hatten. Und ich freue mich auf den weiteren Austausch mit allen, die uns noch auf dem restlichen Weg von AIDA begleiten werden. Herzlichen Dank und bis bald.

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